Expertengespräch II – Stimmen aus den Seminaren

Ein_Blick in die Praxis: Berufsfeldorientierung im Kontext des Frauenlob-Projekts

von Davina Beck

Nachdem sich Mitte Mai die das Frauenlob-Projekt unterstützenden Expertinnen und Experten den Kursen vorgestellt hatten, kam es am 05. und 06. Juni erneut zu einem Expertengespräch, das dieses Mal unter dem Motto "Berufsfeldorientierung" stand.
Gerade für angehende GermanistInnen stellt sich oft die Frage, in welchem Bereich sie später einmal arbeiten möchten, denn dank der Fähigkeiten, die man sich in diesem Studium erwirbt, erscheinen die Möglichkeiten im breiten Spektrum des Arbeitsmarktes nahezu endlos.
Einen guten Einblick in die Berufswelt ermöglichten an diesen Tagen die Expertin für Museumspädagogik, Birgit Kita vom Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz, sowie Silke Mohr, Expertin aus dem Bereich Marketing und Kommunikation von der Universitätsbibliothek Mainz.
Frau Kita und Frau Mohr stellten in kurzweiligen Vorträgen ihren jeweiligen Arbeitsalltag vor und gaben dabei die ein oder andere spannende Anekdote preis. Dass etwa die Kosten für den Leihtransport eines Ausstellungsstücks gut und gerne im fünfstelligen Eurobereich angesetzt sein können oder bei der Erarbeitung von Kommunikationsstrategien durchaus noch Karteikarten zum Einsatz kommen, versetzte viele in Staunen.

Auf diese Weise lernten die Studierenden die unterschiedlichen Berufsfelder innerhalb eines Museums kennen, erfuhren, wie viel Zeit und Mühe Marketing und Kommunikation in Anspruch nimmt und wie vielfältig die Arbeit innerhalb der beiden Bereiche sein kann. Und im Hinblick auf das Frauenlob-Projekt wurde eines ganz besonders deutlich: Arbeiten funktioniert am besten im Team!
Im Anschluss an die Vorträge ergaben sich noch kleinere Ideenvorschläge, die sicherlich in die Überlegungen zum Projekt einfließen werden.
Grafikdesign und audiovisuelle Produktion, Berufsfelder, die für GermanistInnen meist nur mit Zusatzausbildung zugänglich sind, waren an den Terminen nicht vertreten. Den Studierenden wird aber die Möglichkeit geboten, diese Bereiche in Workshops sowohl theoretisch als auch praktisch kennenzulernen.

 

Was macht eigentlich eine Museumspädagogin und wie arbeitet die Marketingabteilung der Bibliothek?

von Antje Schilling

Neben der intensiven Arbeit mit und an Frauenlobs Texten steht noch ein weiteres Ziel im Mittelpunkt des Projektes: Mediävistik trifft Job und Karriere! Die Studierenden sollen Anregungen bekommen, welchen Berufen sie später einmal nachgehen könnten und was mit einem Germanistikstudium alles möglich ist. Zu diesem Zweck fand am 5. und 6. Juni ein zweites Expertengespräch statt. Frau Kita und Frau Mohr sprachen diesmal über ihre tägliche Arbeit und ihre berufliche Laufbahn.

Zunächst bekamen die Studierenden ein Bild davon, wie viele Berufe sich hinter der Organisation eines Museums verbergen und welche Qualifikationen und Arbeitsfelder hier auf sie warten. Ob Direktor, Kurator, Museumspädagogik, Sicherheit, Restauration oder Inventarisierung: Es braucht immer das Zusammenspiel von vielen Fachabteilungen, um eine solche Organisation am Laufen zu halten. Besonders in Hinblick auf die bevorstehende Ausstellung war es beeindruckend, einmal hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Wer hätte gedacht, dass Ausleihvorgänge gelegentlich sogar ganze 3 Jahre Planung im Voraus fordern?

Vielfältige Aufgabenbereiche wurden auch in der Universitätsbibliothek entdeckt. Ob kleine Veranstaltungen, Plakatgestaltung oder Webdesign – die erste Anlaufstelle ist zunächst einmal die Abteilung für Marketing und Kommunikation. Frau Mohr skizzierte den Weg von einer Idee zur endgültigen Umsetzung und machte deutlich, wie viel Kreativität, Management und Planung auch in diesem Berufsfeld erforderlich sind. Die Koordination und Kommunikation mit anderen Firmen und Arbeitsbereichen ist dabei unablässig.

Beide vorgestellten Berufsgruppen zeigten, dass das universitäre Wissen eine sehr wichtige Grundlage ist. Die Vertreterinnen, die über ihre Arbeit sprachen, verrieten aber auch, dass sie mit einer Menge Kreativität und Enthusiasmus durch den Alltag getragen werden. Museumspädagogik  – das ist mehr, als nur Kinderbetreuung und „Bilder an die Wand hängen“; und hinter Marketing steckt nicht nur lustiges „Flyer basteln“. Beide Bereiche fordern sehr viel Kompetenz, Elan und Zeit. Sie bieten aber auch Spielräume, um sich auszuleben. Und wie bei jedem Beruf gilt: Wer seine Arbeit liebt, der hat den Hauptpreis ergattert!
Gewonnen haben diese Woche aber auch die Studierenden. Sie erlangten neues Wissen, lernten berufliche Alternativen kennen und erhielten ganz nebenbei noch weitere Anregung für das Frauenlob-Projekt. Der/die ein/e oder andere Mediävistik-Studierende wird nun außer einer Uniprofessur und der klassischen Forschung noch mehr Berufe auf die Wunschliste setzen können.